KJHV Berlin-Brandenburg/KJSH-Stiftung
Inhaltsangabe
1. Einleitung
1.1. Ziel des Konzeptes
1.2. Sexualerziehung als Teil der pädagogischen Gesamtkonzeption
1.3. Fortbildungen
1.4. Erarbeitung einrichtungs- und angebotsspezifischer sexualpädagogischer Konzepte
2. Definition Sexualität
3. Die sexuellen Entwicklungsstufen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter
4. Die rechtlichen Grundlagen der sexualpädagogischen Arbeit
5. Gender und sexuelle Vielfalt im Rahmen sexueller Bildung
5.1. Wesentliche Elemente eines gendersensiblen sexualpädagogischen Konzepts
5.2. Umgang mit heteronormativen Vorstellungen
6. Kultursensibilität bei der sexualpädagogischen Bildung
7. Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen
7.1. Traumapädagogische Ansätze
7.2. Unterstützung bei kognitiven Besonderheiten
7.3. Unterstützung bei körperlichen Besonderheiten
8. Mediennutzung- und Konzepte in Bezug auf sexualpädagogische Bildung
8.1. Gefahren der Mediennutzung
8.2. Einschränkende Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen
8.3. Bereits bestehende präventive Maßnahmen im Umgang mit Medien
9. Prävention von sexualisierter Gewalt und Handlungsleitfäden
9.1. Prävention von sexualisierter Gewalt
9.2. Handlungsleitfaden bei sexuellen Grenzverletzungen und Übergriffen unter Kindern
9.3. Handlungsleitfaden bei sexualisierter Gewalt durch Erwachsene an Kindern und Jugendlichen
10. Netzwerkarbeit
11. Begriffserklärungen
1. Einleitung
Die Mitarbeitenden des Trägers KJHV Berlin-Brandenburg / KJSH-Stiftung übernehmen täglich Verantwortung für die sexualpädagogische Bildung von Kindern und Jugendlichen. Es gehört zu ihren Aufgaben, den jungen Menschen Informationen und Unterstützung bei ihrer körperlichen und psychosexuellen Entwicklung anzubieten. Dabei greifen sie auf Konzepte der Sexualpädagogik zurück, die sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen und Werten in Bezug auf Sexualität und Partnerschaft auseinandersetzen.
1.1. Ziel des Konzeptes
Das vorliegende sexualpädagogische Konzept dient dazu, den Mitarbeitenden in den verschiedenen Angeboten und Einrichtungen des Trägers KJHV Berlin-Brandenburg / KJSH-Stiftung eine klare Orientierung im Umgang mit dem komplexen und oftmals tabuisierten Thema Sexualität zu geben. Das vorliegende Mantelkonzept wurde von einer Arbeitsgruppe erstellt, in der Mitarbeitende aus verschiedenen Einrichtungen des KJHV Berlin-Brandenburg / KJSH-Stiftung vertreten waren.
Das sexualpädagogische Konzept ist Teil des Qualitätsmanagements des Trägers. Grundlage ihres sexualpädagogischen Handelns sind das Leitbild des Trägers, die Grundprinzipien der Arbeit und der für alle Mitarbeitenden verbindliche Verhaltenskodex.
Das sexualpädagogische Handeln der Mitarbeitenden orientiert sich an folgenden Leitlinien:
- Kinder und Jugendliche können untereinander oder mit den Fachkräften über das Thema Sexualität ins Gespräch kommen. So erfahren sie, dass sie mit Ihren Ansichten, Wertvorstellungen, Gefühlen, Sorgen und Problemen nicht allein sind, sondern begleitet werden.
- Die betreuten Kinder und Jugendlichen werden angeregt, verschiedene Perspektiven in Bezug auf ihre sexuelle Identität und ihre sexuelle Orientierung zu entwickeln und ihre ganz individuellen Vorstellungen auszuleben.
- Grenzen der eigenen sexuellen Entwicklung sind da, wo schützenswerte Belange anderer betroffen sind.
Daraus leiten sich für das sexualpädagogische Konzept zwei Ziele ab:
- Die Mitarbeitenden fördern einen positiven und bejahenden Umgang mit dem Thema Sexualität und begleiten Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer sexuellen Identität und einer positiven Sexualkultur. Sie unterstützen sie dabei, einen selbstbestimmten Umgang mit Sexualität zu erlangen.
- Sie möchten Kinder und Jugendliche vor Gefahren schützen und wirken jeder Form von sexualisierter Gewalt aktiv entgegen.
1.2. Sexualerziehung als Teil der pädagogischen Gesamtkonzeption
Viele der betreuten Kinder und Jugendlichen weisen durch Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung Traumatisierungen auf und sind in einem besonderen Maße gefährdet, erneut Gewalt zu erfahren. In den Einrichtungen werden auch junge Menschen betreut, die bereits sexualisiert-grenzverletzende Verhaltensweisen zeigen und daher eine besondere Aufmerksamkeit und besondere Unterstützung in ihrem Entwicklungsprozess benötigen.
Kinder und Jugendliche bringen ihre eigene Sexualität und Erfahrungen mit in die Einrichtung oder das Angebot des Trägers. Das Thema ist präsent und die Mitarbeitenden entwickeln deshalb, wie bei allen anderen erzieherischen Themen auch, Strategien und Handlungskompetenzen für die pädagogische Interaktion und Begleitung der Kinder und Jugendlichen in diesem Bereich.
Die Sexualerziehung ist somit Bestandteil der Persönlichkeitsbildung und der Sozialerziehung. Sie erfolgt in einem ganzheitlichen Kontext. Sexuelle Bildung findet immer statt, auch wenn sie nicht reflektiert oder thematisiert wird. Bei einem ganzheitlichen Ansatz findet die körperliche, soziale, kulturelle und geschlechtsspezifische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Berücksichtigung und ist in die pädagogische Gesamtkonzeption eingebettet.
1.3. Fortbildungen
Der Erwerb von sexualpädagogischen Kenntnissen und entsprechendem Fachwissen über die psychosexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist von großer Bedeutung. Deshalb sind Fortbildungen, die kindliche Sexualität, Geschlechterbewusstsein und Kinderschutz verbinden, für Mitarbeitende des Trägers KJHV Berlin-Brandenburg / KJSH-Stiftung verbindlich. Um den vielen sexualpädagogischen Situationen und Fragestellungen im Betreuungsalltag selbstwirksam und souverän zu begegnen, ist auch die regelmäßige Vertiefung von Fachwissen bei allen Mitarbeitenden unerlässlich.
1.4. Erarbeitung einrichtungs- und angebotsspezifischer sexualpädagogischer Konzepte
Das vorliegende sexualpädagogische Konzept ist als ein übergreifendes Mantelkonzept zu verstehen, das in den einzelnen Einrichtungen und Teams des Trägers spezifiziert und an die konkreten Bedingungen angepasst wird. Das Konzept schafft auf der Grundlage der angeführten Mindeststandards neue Gestaltungsspielräume, die durch den Austausch in den jeweiligen Teams inhaltlich gefüllt werden. Der Umgang mit entwicklungstypischem Sexualverhalten von Kindern und Jugendlichen und die Frage, wie viel pädagogische Einmischung und Förderung angemessen und sinnvoll ist, muss in den jeweiligen Teams, unter Berücksichtigung der konzeptionellen Ausrichtung des Angebotes oder der Einrichtung und unter Berücksichtigung des Verhaltenskodexes erörtert werden.
Besonders wichtig ist auch, die betreuten Kinder und Jugendlichen und wenn möglich die Bezugspersonen[1] bei der Ausgestaltung sexualpädagogischer Angebote angemessen einzubeziehen. Die konkrete sexualpädagogische Arbeit vor Ort kann nur gelingen, wenn sich alle Beteiligten aktiv einbringen und in einen fachlichen Austausch treten. Das sexualpädagogische Konzept zeigt den Rahmen und die Transparenz nach innen und nach außen auf. Die Position ist klar für den Träger und die konkreten Angebote formuliert.
[1] Der Begriff Bezugspersonen umfasst alle Personen, die an der Betreuung der Kinder und Jugendlichen beteiligt sind, wie bspw. Eltern und Personen im sozialen Umfeld.
Dadurch werden die Mitarbeitenden entlastet und zugleich gestärkt. Darüber hinaus wissen Bezugspersonen, wie das Team einer Einrichtung zum Thema steht und wie es Fragen und sexuelle Ausdrucksformen der Kinder und Jugendlichen begleitet.
Auf Grundlage, der in allen Angeboten und Einrichtungen durchgeführten Risikoanalysen werden bereits vorhandene Regeln und Vorgaben überprüft. Der Austausch in den Teams über beobachtete Situationen festigt die individuelle sexualpädagogische Kompetenz und ermöglicht es den Mitarbeitenden, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, über die eine pädagogische Handlungssicherheit erreicht werden kann.
Aus den noch zu erarbeitenden einrichtungsspezifischen sexualpädagogischen Konzepten lässt sich ein klares und eindeutiges Verhalten für das spezifische Angebot ableiten. Welche Handlungen der Kinder und Jugendlichen erlaubt sind, entscheidet das jeweilige Team im Konsens. Sie erarbeiten mit den Kindern und Jugendlichen gut nachvollziehbare und positiv formulierte Regeln und thematisieren sie mit ihnen altersangemessen.
Die auf der Grundlage des vorliegenden sexualpädagogischen Mantelkonzeptes zu erarbeitende einrichtungs- und angebotsspezifische sexualpädagogische Konzepte bieten Sicherheit und Handlungsfähigkeit im Alltag, geben Orientierung in unklaren Situationen und klare Vorgehensweisen, wenn grenzverletzendes Verhalten beobachtet wird.
2. Definition von Sexualität
Sexualität begleitet uns ein Leben lang und ist ein wesentliches Merkmal in zwischenmenschlichen Beziehungen – vom Säugling bis ins hohe Alter. Je nach Lebensphase stehen dabei unterschiedliche Bedürfnisse und Ausdrucksweisen im Vordergrund. Kindliche Sexualität unterscheidet sich wesentlich von der Sexualität eines Erwachsenen: Kindliche Sexualität ist egozentriert und spielerisch. Sie entdecken neugierig und mit allen Sinnen ihren Körper und empfinden dabei auch Lust, doch anders als bei Erwachsenen ist diese nicht zielgerichtet oder beziehungsorientiert, sondern spontan und ungeplant. Erwachsenensexualität hingegen ist absichtsvoll und zielgerichtet auf sexuelle Befriedigung ausgerichtet.
Dies zeigt, dass es nicht die Sexualität gibt. Sie wandelt sich, je nach Entwicklungsaufgabe und Alter, und ist kein exklusives Merkmal des Erwachsenseins. Die kindliche Sexualität muss in ihrer Eigenständigkeit und Unterschiedlichkeit begriffen und einfühlsam begleitet werden, denn sie ist ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Pädagogische Begleitung ist hier genauso wichtig wie in anderen Entwicklungsbereichen, es ist daher auch Teil der Erziehung und Bildung. Ziel ist die Entwicklung der sexuellen Selbstbestimmung und der verantwortungsvolle Umgang mit sich selbst und anderen.
Die Mitarbeitenden des Trägers geben Orientierungshilfe im Rahmen gesellschaftlicher Normen und Werte – ohne dabei die Körpererfahrungen einzuschränken oder sexuelle Aktivitäten zu tabuisieren. Es braucht dafür Raum für eigene Erfahrungen und das Verständnis für sexuelle Vielfalt.
Sexuelle Vielfalt umfasst die breite Palette an sexuellen Orientierungen, geschlechtlichen Identitäten und Ausdrucksformen. Menschen identifizieren sich auf vielfältige Weise – ob heterosexuell, homosexuell, bisexuell, pansexuell, intersexuell, transsexuell, asexuell oder anders. Die Geschlechtsidentität kann unabhängig von der biologischen Geschlechtszugehörigkeit erlebt werden, das führt zu einer Vielzahl von Identitäten jenseits der traditionellen binären Vorstellungen. Die Mitarbeitenden sind überzeugt, dass eine offene und respektvolle Anerkennung der sexuellen Vielfalt zu einer inklusiven Gesellschaft beiträgt, die die Einzigartigkeit jedes Individuums wertschätzt.
In ihrem professionellen Verständnis bleiben die Fachkräfte wertfrei, denn alle Menschen sind, wie im Grundgesetz festgeschrieben, gleich in ihren Rechten und ihre Würde ist unantastbar. Für sie ergibt sich der Auftrag aus dem Sozialgesetzbuch: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (§1 Abs. 1 SGB VIII). Daraus abgeleitet haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf sexuelle Bildung und Begleitung auf ihrem Weg zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit.
Sexuelle Bildung ist unverzichtbar, um Menschen über den menschlichen Körper, Fortpflanzung, sexuell übertragbare Krankheiten und Verhütungsmethoden aufzuklären. Das Wissen darüber hilft ihnen, verantwortungsbewusste Entscheidungen über ihre Gesundheit zu treffen. Eine weitere entscheidende Rolle spielt sexuelle Bildung bei der Prävention von Missbrauch und Gewalt, indem sie Kindern und Jugendlichen hilft, Grenzen zu setzen und Hilfe zu suchen. Darüber hinaus hilft sie, respektvolle Beziehungen zu erkennen und vermittelt zentrale Kommunikations- und Konfliktlösungsfähigkeiten, die essenziell für positive zwischenmenschliche Beziehungen sind. Sexuelle Bildung trägt auch dazu bei, Vorurteile und Diskriminierung im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität abzubauen und fördert Toleranz und Respekt für die Vielfalt der menschlichen Sexualität. Schließlich unterstützt dieses Wissen Menschen dabei, ihre eigenen Entscheidungen über ihre Körper, Beziehungen und Sexualität zu treffen, und befähigt sie, ihre Rechte und Bedürfnisse zu verteidigen.
3. Die sexuellen Entwicklungsstufen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter
Zu einem umfassenden sexualpädagogischen Konzept gehört die Auseinandersetzung mit den sexuellen Entwicklungsstufen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Arbeit und der Umgang orientiert sich stets an den individuellen Bedürfnissen und dem Entwicklungsstand der Zielgruppe.
Kinder und Jugendliche durchlaufen verschiedene Phasen ihrer sexuellen Entwicklung, die von Neugierde und Entdeckung des Körpers bis hin zur Entwicklung einer bewussten Sexualität reichen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, den kindlichen Entwicklungsstand zu respektieren und altersgerechte Informationen zu vermitteln. Gleichzeitig müssen Rechte, Gesetze und ethische Grundsätze berücksichtigt werden, um einen sicheren und geschützten Rahmen zu gewährleisten.
Die sexuellen Entwicklungsstufen beschreiben die verschiedenen Phasen, die Menschen während ihres Lebens in Bezug auf ihre Sexualität durchlaufen. Diese Stufen können in Kindheit, Adoleszenz und Erwachsenenalter unterteilt werden.
Jede Phase bringt spezifische Merkmale und Herausforderungen mit sich:
Kindheit: In der Kindheit entwickeln Kinder ein Bewusstsein für ihren eigenen Körper und ihre Geschlechtsidentität. Sie erkunden neugierig ihre eigenen Genitalien und erfahren erste sexuelle Empfindungen. Bezugspersonen spielen eine wichtige Rolle: Sie vermitteln ein positives Körperbewusstsein und helfen, Grenzen zu setzen.
Adoleszenz: Die Adoleszenz ist eine Phase der intensiven körperlichen, emotionalen und sozialen Veränderungen. Jugendliche beginnen, ihre Sexualität intensiver zu erforschen und ihre sexuelle Identität zu formen. Das kann mit Fragen zur sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität und ersten sexuellen Erfahrungen verbunden sein. In dieser Phase ist eine umfassende Aufklärung über Sexualität, Verhütung, Beziehungsdynamiken und sexuelle Gesundheit von entscheidender Bedeutung, um Jugendliche dabei zu unterstützen, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sie vor Risiken zu schützen.
Erwachsenenalter: Im Erwachsenenalter entwickeln Menschen eine reife und kohärente sexuelle Identität, die von persönlichen Erfahrungen, Beziehungen und Lebensumständen geprägt ist. Die sexuelle Entwicklung in dieser Phase umfasst die Pflege und den Ausdruck von Intimität, das Verständnis von emotionaler Verbundenheit und die Familienplanung. Es ist wichtig, dass Erwachsene ein Verständnis für einvernehmliche Beziehungen, sexuelle Gesundheit und die Vielfalt menschlicher Sexualität entwickeln, um erfüllende und respektvolle Beziehungen zu führen.
Die Definitionen der sexuellen Entwicklungsstufen können je nach kulturellen, sozialen und individuellen Unterschieden variieren, aber sie bieten einen Rahmen für das Verständnis der komplexen Entwicklung der menschlichen Sexualität über die Lebensspanne hinweg.
4. Die rechtlichen Grundlagen der sexualpädagogischen Arbeit
Im Laufe der Jahrzehnte führten gesellschaftliche Diskurse zu Veränderungen der Gesetzeslage. In Deutschland gibt es daher eine Reihe von rechtlichen Grundlagen und Regelungen, die sexuelle Kontakte und Handlungen betreffen, insbesondere im Hinblick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die Einhaltung ethischer Grundsätze.
Gesetzliche Vorgaben, wie das Jugendschutzgesetz, dienen dazu, Kinder und Jugendliche vor Übergriffen und unangemessenen Inhalten zu schützen. Weitere Gesetze gewährleisten die sexuelle Selbstbestimmung und den Schutz vor Diskriminierung und Gewalt für Erwachsene. In der sexualpädagogischen Praxis ist es daher entscheidend, ein Bewusstsein für die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und diese in die Arbeit mit den verschiedenen Altersgruppen zu integrieren.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind:
Jugendschutzgesetz (JuSchG): Das Jugendschutzgesetz regelt den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Einflüssen und Gefährdungen. Es legt unter anderem fest, welche Inhalte minderjährigen Personen zugänglich sind und regelt den Umgang mit jugendgefährdenden Medien. Zudem enthält es Regelungen zum Schutz vor sexuellen Übergriffen und zur Verhinderung von Ausbeutung Minderjähriger.
Strafgesetzbuch (StGB): Das Strafgesetzbuch enthält verschiedene Paragrafen, die sexuelle Handlungen regeln und Straftaten wie sexuellen Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, exhibitionistische Handlungen und andere Formen von sexualisierter Gewalt sanktionieren. Es stellt sicher, dass sexuelle Kontakte auf der Basis von Einvernehmlichkeit und Respekt erfolgen müssen.
Sexualstrafrechtliche Regelungen: Neben den allgemeinen strafrechtlichen Bestimmungen gibt es spezifische Gesetze, die bestimmte Formen sexueller Handlungen und Übergriffe regeln. Dazu gehört das Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen strafbaren Handlungen zum Nachteil von Kindern, außerdem das Gesetz zur Stärkung der Rechte von Opfern sexuellen Missbrauchs.
Datenschutzgesetze: Im Zusammenhang mit sexuellen Kontakten und Beziehungen ist auch der Schutz von persönlichen Daten und die Einhaltung von Datenschutzgesetzen von Bedeutung. Insbesondere bei der Nutzung von Online-Plattformen und Dating-Apps ist die Beachtung von Datenschutzbestimmungen entscheidend.
Diese rechtlichen Grundlagen dienen dem Schutz und der Sicherheit aller Beteiligten in sexuellen Beziehungen und legen ethische Standards fest, die eingehalten werden müssen, um die sexuelle Selbstbestimmung und Würde aller Menschen zu wahren.
5. Gender und sexuelle Vielfalt im Rahmen sexueller Bildung
Die Berücksichtigung von Gender, sexueller Vielfalt und Orientierung in einem sexualpädagogischen Konzept ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Identität, Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit angemessen informiert und unterstützt werden.
5.1. Wesentliche Elemente eines gendersensiblen sexualpädagogischen Konzepts
Zu dem umfassenden sexualpädagogischen Konzept des Trägers KJHV Berlin-Brandenburg / KJSH-Stiftung gehören folgende genderspezifische Elemente:
Inklusivität und Diversität: Die Mitarbeitenden erkennen die Vielfalt der Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierungen an und respektieren sie, einschließlich nicht-binärer, transgender, intersexueller und anderer Identitäten. Sie schaffen sichere Rahmenbedingungen, in denen sich alle Personen akzeptiert und unterstützt fühlen.
Bildung und Aufklärung: Das Konzept bietet eine umfassende sexualpädagogische Bildung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und verschiedene Aspekte der menschlichen Sexualität abdeckt, einschließlich biologischer, psychologischer, sozialer und kultureller Dimensionen. Dazu gehören auch Themen wie Verhütung, sexuell übertragbare Infektionen, Konsens, Beziehungsdynamiken und gesunde Kommunikation.
Sensibilisierung und Anti-Diskriminierung: Die Mitarbeitenden fördern die Sensibilisierung für Vorurteile, Diskriminierung und Stigmatisierung im Zusammenhang mit Gender und sexueller Vielfalt. Das Konzept trägt dazu bei, Stereotype und Vorurteile abzubauen und ein Klima der Toleranz und Akzeptanz zu fördern.
Empowerment und Selbstbestimmung: Die sexuelle Selbstbestimmung und das Recht auf persönliche Entscheidungen werden betont, unabhängig von der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Die Fachkräfte ermutigen Menschen dazu, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen verstehen und kommunizieren können.
Unterstützung und Ressourcen: Die Fachkräfte stellen Ressourcen bereit und bieten Unterstützung für Personen, die Fragen oder Probleme im Zusammenhang mit ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung haben. Dies kann den Zugang zu Beratungsdiensten, peer support groups oder Informationen über lokale LGBTQ+-freundliche Organisationen umfassen.
Einbeziehung der Gemeinschaft: Es ist wichtig, die Zusammenarbeit mit LGBTQ+-Organisationen, Aktivist:innen und Community-Gruppen zu fördern, vielfältige Perspektiven und Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen. So stellen die Mitarbeitenden sicher, dass das Konzept auf die realen Erfahrungen und Herausforderungen der Community zugeschnitten ist.
Indem diese Aspekte in ein sexualpädagogisches Konzept integriert werden, tragen die Fachkräfte dazu bei, eine offene, inklusive und unterstützende Umgebung zu schaffen, in der alle Menschen ihre Sexualität auf gesunde und erfüllende Weise erkunden und ausdrücken können.
5.2. Umgang mit heteronormativen Vorstellungen
Heteronormativität bezieht sich auf die Annahme, dass Heterosexualität die normative oder vorherrschende sexuelle Orientierung ist und dass heterosexuelle Beziehungen, Identitäten und Verhaltensweisen als “normal” oder “natürlich” angesehen werden, während alles andere als “abweichend” betrachtet wird. Dieses Konzept schließt oft die Vorstellung ein, dass Geschlecht binär ist und dass männlich und weiblich sich ausschließlich auf männliche und weibliche Geschlechterrollen beziehen.
In einem sexualpädagogischen Kontext bedeutet die Auseinandersetzung mit Heteronormativität, die kritische Reflexion über diese Annahmen und die Förderung eines Umfelds, das die Vielfalt von Sexualität und Geschlecht anerkennt.
Einige wichtige Aspekte der Berücksichtigung von Heteronormativität in einem sexualpädagogischen Konzept sind:
Kritische Reflexion: Die Mitarbeitenden ermutigen Kinder- und Jugendliche dazu, die Vorannahmen und Normen in Bezug auf Sexualität und Geschlecht zu hinterfragen und zu analysieren, wie Heteronormativität bestimmte Formen von Diskriminierung und Vorurteilen verstärken kann.
Inklusive Darstellung: Das Konzept umfasst eine Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten und stellt sicher, dass sich alle Kinder und Jugendlichen repräsentiert fühlen und ihre eigenen Identitäten erkennen können. Dies kann zum Beispiel durch genderneutrale Sprache erfolgen oder durch Materialien oder Literatur, die verschiedene Geschlechtsidentitäten repräsentieren.
Abbau von Vorurteilen: Die Mitarbeitenden sprechen Vorurteile und Stereotype gegenüber LGBTQ+-Personen an und tragen dazu bei, ein Umfeld zu schaffen, das frei von Diskriminierung und Ausgrenzung ist. Sie werden in diesen Themen fort- und weitergebildet, um sichere Räume für Kinder und Jugendliche schaffen zu können.
Förderung von Akzeptanz und Respekt: Das Konzept betont die Bedeutung von Akzeptanz, Respekt und Gleichberechtigung und trägt dazu bei, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Personen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, sich sicher und akzeptiert fühlen.
6. Kultursensibilität bei der sexualpädagogischen Bildung
Sexualität und Kultur sind eng miteinander verbunden und werden von verschiedenen kulturellen, gesellschaftlichen und historischen Einflüssen geprägt. Kulturelle Normen, Werte, Traditionen, Religionen und soziale Strukturen haben einen großen Einfluss auf Einstellungen, Verhaltensweisen und Erwartungen im Zusammenhang mit Sexualität. Es ist wichtig, die Vielfalt kultureller Perspektiven auf Sexualität zu erkennen und zu respektieren.
Den Mitarbeitenden ist bewusst, dass kulturelle Faktoren die Einstellungen und Verhaltensweisen der Kinder und Jugendlichen beeinflussen können, und sie unterstützen einen sensiblen und respektvollen Umgang mit kultureller Vielfalt. Eine ganzheitliche sexualpädagogische Herangehensweise berücksichtigt daher die Wechselwirkungen zwischen Sexualität und Kultur, um ein umfassendes Verständnis zu fördern und eine inklusive und unterstützende Umgebung zu schaffen.
Wichtige Aspekte in der Beziehung zwischen Sexualität und Kultur sind:
Normen und Werte: Jede Kultur hat ihre eigenen Normen und Werte in Bezug auf Sexualität. Diese Normen können sich auf Themen wie Geschlechterrollen, Ehe, Familienplanung, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, sexuelle Praktiken und Tabus beziehen.
Religion und Spiritualität: Religionen und spirituelle Überzeugungen haben oft Einfluss auf die Vorstellungen von Sexualität und können Regeln und Vorschriften bezüglich sexueller Praktiken, Verhaltensweisen und moralischer Standards festlegen.
Bildung und Aufklärung: Kulturelle Unterschiede können sich auch auf den Zugang zu sexueller Bildung und Aufklärung auswirken. Einige Kulturen können offener sein, während in anderen Tabus und Einschränkungen bestehen.
Sexuelle Praktiken und Traditionen: Kulturelle Traditionen und Bräuche können spezifische sexuelle Praktiken und Rituale einschließen, die in bestimmten Gemeinschaften praktiziert werden. Diese Praktiken können sich im Laufe der Zeit verändern und variieren je nach kulturellem Kontext.
Diskriminierung und Stigmatisierung: In einigen Kulturen können bestimmte sexuelle Orientierungen, Geschlechtsidentitäten oder sexuelle Praktiken stigmatisiert, diskriminiert und unter Strafe gestellt werden, während sie in anderen Kulturen weniger marginalisiert sind.
In der Arbeit mit Adressat:innen müssen Fachkräfte eine Balance zwischen den individuellen Bedürfnissen der Adressat:innen und den ethischen Standards und Richtlinien ihrer Arbeit finden. Dies kann bedeuten, sensibel auf kulturelle Unterschiede zu reagieren, um sicherzustellen, dass die sexualpädagogische Bildung und Beratung angemessen und effektiv sind, während gleichzeitig die Sicherheit und Würde der Adressat:innen gewahrt bleibt.
Für die Mitarbeitenden ist es wichtig, dass sie sich kontinuierlich über verschiedene kulturelle Hintergründe, Traditionen und Werte informieren, um ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Perspektiven der Adressat:innen zu entwickeln. Durch Fortbildungen, kulturelle Sensibilisierungsschulungen, sowie interkulturellen Austausch erlangen sie Sicherheit im eigenen fachlichen Handeln.
7. Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen
Die sexualpädagogische Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe erfordert besondere Sensibilität und Fachkenntnis, um Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen wie Traumata, körperlichen und kognitiven Einschränkungen angemessen zu unterstützen. Diese Arbeit ist von entscheidender Bedeutung, um die sexuelle Selbstbestimmung, das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu fördern.
Geduld und Einfühlungsvermögen sind grundlegende Prinzipien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen. Die sexuelle Entwicklung erfolgt individuell unterschiedlich und dafür benötigen Kinder und Jugendliche individuelle Unterstützung. Eine enge Kooperation mit externen Fachstellen und Institutionen, die über Expertise im Bereich Trauma, kognitive und körperliche Besonderheiten verfügen, ist unerlässlich. Durch regelmäßige Fortbildungen können Mitarbeitende ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im Umgang mit Kindern und Jugendlichen kontinuierlich erweitern und aktualisieren. Die enge Zusammenarbeit mit spezifischem Fachpersonal, wie Traumapädagog:innen, Heilpädagog:innen, Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen, gewährleistet eine umfassende und fachgerechte Betreuung.
Diese Ansätze und Methoden tragen wesentlich dazu bei, dass alle Kinder und Jugendliche eine angemessene und respektvolle sexualpädagogische Unterstützung erhalten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände abgestimmt ist.
7.1. Traumapädagogische Ansätze
Für Kinder und Jugendliche mit traumatischen Erfahrungen ist ein sicherer und vertrauensvoller Rahmen essenziell. Die Mitarbeitenden bieten einen sicheren Raum, der möglichst frei von stressauslösenden Faktoren ist, um ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Empathie und Verständnis für traumatische Erfahrungen sind unverzichtbar. Dabei ist es wichtig, individuell auf ihre Reaktionen und Bedürfnisse einzugehen und ihnen emotionalen Halt zu bieten. Traumapädagogische Methoden und Materialien werden verwendet, um Retraumatisierungen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang ist die enge Zusammenarbeit mit Traumapädagog:innen und psychologischen Fachkräften von großer Bedeutung, um eine traumasensible Betreuung sicherzustellen.
7.2. Unterstützung bei kognitiven Besonderheiten
Kinder und Jugendliche mit kognitiven Besonderheiten benötigen eine angepasste Informationsvermittlung. Die Fachkräfte verwenden eine einfache und klare Sprache, um die Verständlichkeit zu gewährleisten und komplexe Begriffe zu vermeiden. Visuelle Hilfsmittel wie Bilder, Piktogramme und Videos erleichtern das Verständnis und komplexe Themen werden greifbarer. Regelmäßige Wiederholung und Verstärkung von Informationen sind essenziell, um das Lernen zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit Heilpädagog:innen und Fachkräften für kognitive Förderung kann dabei wertvolle Unterstützung bieten und sicherstellen, dass die individuellen Bedürfnisse der Adressat:innen berücksichtigt werden.
7.3. Unterstützung bei körperlichen Besonderheiten
Für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Einschränkungen ist die Barrierefreiheit von zentraler Bedeutung. Die Mitarbeitenden sorgen dafür, dass alle Materialien und Räumlichkeiten barrierefrei zugänglich sind. Lehrmaterialien und Methoden sind individuell an die körperlichen Bedürfnisse angepasst, dabei werden eventuelle motorische Einschränkungen berücksichtigt. Assistive Technologien können hierbei eine wertvolle Unterstützung bieten, um die Teilnahme und das Verständnis zu erleichtern. Die Zusammenarbeit mit Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen kann helfen, geeignete Anpassungen vorzunehmen und die bestmögliche Unterstützung zu gewährleisten.
8. Mediennutzung- und Konzepte in Bezug auf sexualpädagogische Bildung
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche über den verantwortungsvollen Umgang mit Medien, insbesondere im Zusammenhang mit Sexualität, aufgeklärt werden. Dazu gehört die Sensibilisierung für mögliche Risiken wie Cybermobbing, Sexting oder den Konsum von pornografischem Material. Gleichzeitig werden sie ermutigt, ihre eigenen Grenzen zu respektieren und sich über ihre Rechte und Möglichkeiten im digitalen Raum bewusst zu werden.
8.1. Gefahren der Mediennutzung
Der Umgang mit Medien birgt beispielsweise folgende Gefahren für Kinder und Jugendliche:
Cybermobbing: Cybermobbingbezeichnet gezielte Schikanen, Bedrohungen oder die Bloßstellung von Personen über digitale Medien. Dies kann zu ernsthaften psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen und sozialer Isolation führen. Jugendliche, die Opfer von Cybermobbing werden, leiden oft unter einem starken Verlust von Selbstwertgefühl und Vertrauen.
Sexting: Bei Sextingwerden intime Fotos oder Nachrichten über das Internet/ Smartphone versendet. Diese Inhalte können leicht in falsche Hände geraten und ungewollt verbreitet werden, was zu ernsthaften Konsequenzen wie Rufschädigung, Erpressung oder sogar rechtlichen Konsequenzen führen kann.
Pornografie: Der Konsum von pornografischem Materialkann bei Jugendlichen zu verzerrten Vorstellungen von Sexualität, unrealistischen Erwartungen an Partner und einer gesteigerten Neigung zu riskantem Verhalten führen. Zudem kann der exzessive Konsum negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben und zu Abhängigkeit führen.
8.2. Einschränkende Maßnahmen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen
In Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtungen können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um sie vor potenziellen Gefahren zu schützen.
Einige Möglichkeiten sind:
Filter- und Sperrsoftware: Jugendhilfeeinrichtungen können Filter- und Sperrsoftware einsetzen, um den Zugriff auf bestimmte Websites mit unangemessenem oder schädlichem Inhalt zu blockieren. Diese Software kann nach Kategorien wie Pornografie, Gewalt oder Glücksspiel filtern.
Zeitbeschränkungen: Es können Zeitbeschränkungen für die Internetnutzung festgelegt werden, um sicherzustellen, dass die Jugendlichen nicht zu viel Zeit online verbringen und ihre anderen Aktivitäten nicht vernachlässigen.
Überwachung: Eine Überwachung des Internetverkehrs kann dazu beitragen, unangemessenes Verhalten frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dies kann sowohl automatisiert als auch durch das Personal der Einrichtung erfolgen.
Schulung und Aufklärung: Jugendliche können über die Risiken und Konsequenzen unangemessener Internetnutzung aufgeklärt werden, um ihr Bewusstsein zu schärfen und sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet zu ermutigen.
Individuelle Betreuung: Es kann sinnvoll sein, individuelle Betreuung und Beratung anzubieten, um Jugendlichen bei der Bewältigung von Problemen im Zusammenhang mit der Internetnutzung zu unterstützen und alternative Freizeitaktivitäten aufzuzeigen.
8.3. Bereits bestehende präventive Maßnahmen im Umgang mit Medien
Es gibt in den Einrichtungen und Angeboten des Trägers verschiedene Konzepte zur Mediennutzung, die darauf abzielen, Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen und sie für mögliche Risiken zu sensibilisieren.
Einige dieser Konzepte umfassen:
Aufklärung und Sensibilisierung: Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche über die Risiken der Mediennutzung aufzuklären und sie für potenzielle Gefahren zu sensibilisieren. Durch Workshops, Schulungen oder Informationsmaterial können sie über den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien informiert werden.
Einbindung der Bezugspersonen: Die Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen ist entscheidend, um die Mediennutzung altersgerecht anzupassen. Bezugspersonen werden dabei unterstützt, klare Regeln und Grenzen für die Mediennutzung zu setzen und mit den Kindern oder Jugendlichen über potenzielle Risiken zu sprechen.
Medienpädagogische Projekte: Die Einrichtungen und Angebote des Trägers bieten oft Projekte an, die Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, kreativ mit Medien umzugehen, eigene Inhalte zu produzieren und sich mit medienethischen Fragen auseinanderzusetzen.
Weiterbildungen für Bezugspersonen und Fachkräfte: Auch Bezugspersonen und Mitarbeitende werden geschult, um Kinder und Jugendliche für die Herausforderungen der Mediennutzung zu sensibilisieren und sie zu unterstützen.
Medienregeln und -vereinbarungen: In den Einrichtungen und Angeboten des Trägers legen Fachkräfte klare Regeln und Vereinbarungen zur Mediennutzung fest, um den Kindern und Jugendlichen Orientierung zu geben und ihnen dabei zu helfen, ein gesundes Verhältnis zur Mediennutzung zu entwickeln. Dazu gehören:
- Bezugspersonen sprechen mit Kindern und Jugendlichen offen über die Risiken und Konsequenzen von Cybermobbing, Sexting und dem Konsum von pornografischem Material.
- Kinder und Jugendliche werden ermutigt, ihre Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Medien und Messaging-Apps zu überprüfen und anzupassen, um ihre persönlichen Informationen zu schützen.
- Kinder und Jugendliche lernen, respektvoll mit anderen im Internet umzugehen und keine beleidigenden oder bedrohlichen Inhalte zu verbreiten.
- Kinder und Jugendliche werden darüber informiert, dass das Versenden von intimen Fotos oder Nachrichten riskant ist und sie solche Inhalte nicht weitergeben.
- Kinder und Jugendliche lernen, ihre eigenen Grenzen zu respektieren und lassen sich nicht zu Dingen drängen, die sie nicht wollen, sei es im realen Leben oder im digitalen Raum.
- Kinder und Jugendliche wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Opfer von Cybermobbing werden oder sich in einer unangenehmen Situation befinden.
9. Prävention von sexualisierter Gewalt und Handlungsleitfäden
Schutz und Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche sind ein gemeinsamer Prozess aller beteiligten Fachkräfte. Dies gilt von der Wahrnehmung der Auffälligkeiten über alle weiteren Schritte bis hin zu den Hilfen zur Verarbeitung von sexualisierter Gewalt.
Jede Verhaltensauffälligkeit bei Kindern und Jugendlichen kann auf sexualisierte Gewalt hinweisen. Bei der Vermutung von oder tatsächlich beobachteter sexualisierter Gewalt ist verbindlich die Leitung hinzuzuziehen. Im Zuständigkeitsbereich von Diensten, die § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) unterliegen, ist entsprechend den gesetzlichen Vorgaben bei der Gefährdungseinschätzung eine insoweit erfahrene Fachkraft beratend hinzuzuziehen. Die jeweilige pädagogische Leitung gibt darüber Auskunft.
Zu jeder Zeit werden die Betroffenen nicht nur als Opfer sexualisierter Gewalt gesehen und behandelt, sondern als Individuen mit persönlichen, vielfältigen Erfahrungen, Gefühlen, Bedürfnissen, Interessen sowie Stärken und Schwächen. Der Datenschutz der Kinder und Jugendlichen wird berücksichtigt, jedoch hat der Kinder- und Jugendschutz stets absoluten Vorrang.
9.1. Prävention von sexualisierter Gewalt
Die Mitarbeitenden tragen als Erwachsene die Verantwortung, Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Ein entscheidender Baustein der Prävention ist das fundierte Wissen aller Mitarbeitenden. Sie müssen in der Lage sein, die oft subtilen Signalzeichen von Kindern und Jugendlichen zu erkennen und richtig einzuordnen. Ebenso wichtig ist ein Verständnis der sexuellen Entwicklungsphasen, um zwischen altersgerechtem Verhalten, wie dem Erkunden von Grenzen, und grenzverletzendem oder auffälligem Verhalten unterscheiden zu können. Um dieses Wissen zu stärken, nehmen die Mitarbeitenden des Trägers verpflichtend an Fortbildungen zum Thema sexualisierte Gewalt teil.
Auch Kinder brauchen Wissen – und zwar Wissen über ihren eigenen Körper und die körperlichen und emotionalen Veränderungen, die in der Pubertät auf sie zukommen. Ein offener und wertfreier Umgang mit Sexualität ist dabei entscheidend für die Prävention. Kinder und Jugendliche benötigen Aufklärung statt Schweigen oder Tabus. Die Mitarbeitenden ermutigen sie, Fragen zu stellen, ohne Angst vor Verurteilung oder Ablehnung zu haben.
Wichtig ist auch, dass sie alle Körperteile, einschließlich der Geschlechtsteile, korrekt benennen können. Begriffe wie „Pullermann“ oder „Mumu“ vermeiden die Mitarbeitenden, da sie oft Schamgefühle wecken und den Kindern die Möglichkeit nehmen, Übergriffe klar zu benennen. Stattdessen verwenden sie eine klare, respektvolle Sprache, die die Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein der Kinder stärkt.
Ebenso entscheidend ist das Wissen über Gefühle und das Recht auf den eigenen Körper. Kinder müssen verstehen, dass ihr Körper ihnen allein gehört und dass sie ihre persönlichen Grenzen nicht nur mitteilen dürfen, sondern auch darauf bestehen können, dass diese respektiert werden. Das stärkt nicht nur ihr Selbstwertgefühl, sondern auch ihre Selbstbestimmung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Geheimnissen. Kinder und Jugendliche lernen, dass es Geheimnisse gibt, die man bewahren darf, und solche, die man teilen muss – vor allem, wenn sie unangenehm oder belastend sind. Damit nehmen die Mitarbeitenden potenziellen Täter:innen die Möglichkeit, das Schweigen der Kinder und Jugendlichen auszunutzen, und schaffen eine Grundlage für Sicherheit und Vertrauen.
9.2. Handlungsleitfaden bei sexuellen Grenzverletzungen und Übergriffen unter Kindern
Ein sexueller Übergriff unter Kindern liegt vor, wenn ein Kind oder ein:e Jugendliche:r sexuelle Handlungen erzwingt und andere Kinder oder Jugendliche diese dulden oder daran teilnehmen müssen. In solchen Situationen wird häufig ein Machtgefälle ausgenutzt, das zwischen den beteiligten Kindern oder Jugendlichen besteht. Druck kann dabei in verschiedenen Formen ausgeübt werden – etwa durch Versprechungen, das Streben nach Anerkennung, Drohungen oder sogar körperliche Gewalt.
Wenn der Verdacht auf sexualisierte Gewalt durch Kinder oder Jugendliche besteht oder sexualisierte Gewalt stattgefunden hat, gehen die Mitarbeitenden nach folgendem Handlungsschema vor:
- Sie bewahren Ruhe und vermeiden übereilte Aktionen.
- Sie sprechen mit allen Beteiligten einzeln. Es gibt kein gemeinsames Erstgespräch mit allen beteiligten Kindern oder Jugendlichen.
- Das betroffene Kind oder der betroffene Jugendliche hat zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit und ist sich der situativen Parteilichkeit sicher.
- Besonders wichtig ist die emotionale Zuwendung einer Fachkraft, die dem Kind oder Jugendlichen glaubt, Trost spendet und zeigt, dass ihr das Thema wichtig ist.
- Fragen wie, warum sich der oder die Betroffene nicht gewehrt hat, vermeiden die Mitarbeitenden, da der Eindruck entstehen kann, dass er oder sie sich falsch verhalten hat. Diese Fragen können Schuldgefühle wecken.
- Die Mitarbeitenden machen deutlich, dass sich das übergriffige Kind oder Jugendliche falsch verhalten hat und sie sich als Erwachsene darum kümmern, dass dieses oder ähnliches Verhalten nicht mehr vorkommt.
- Im Anschluss konfrontieren sie das übergriffige Kind oder den übergriffigen Jugendlichen mit seinem Verhalten.
- Sie stellen offene Fragen. Keine Fragen wie „Stimmt das?“ oder „Warum hast du das gemacht?“, da Kinder und Jugendliche die Situation dann häufig leugnen, anders darstellen oder sich verteidigen. Das verzögert den Prozess der Einsicht und des Mitgefühls, was Voraussetzung für eine authentische Verhaltensänderung ist.
- Sie bewerten übergriffiges Verhalten. Es ist zukünftig strikt verboten. Achtung: Das Verhalten wird bewertet, nicht die Person.
- Sie trauen dem übergriffigen Kind oder Jugendlichen zu, sein Verhalten zu ändern und lassen keine Zweifel an der Entschiedenheit aufkommen.
- Bei jüngeren Kindern und denen, die erstmalig auffällig waren, reicht meist ein Reflektions- und Interventionsgespräch.
- Die Mitarbeitenden dokumentieren den Vorgang detailliert.
Die Mitarbeitenden schenken immer dem betroffenen Kind zuerst ihre volle Aufmerksamkeit und glauben seinen Schilderungen. Ein sicherer und vertrauensvoller Rahmen ist dabei entscheidend.
Reflektionsgespräche und weitere Maßnahmen verfolgen das Ziel, Verhaltensänderungen durch Einsicht und notwendige Einschränkungen herbeizuführen. Einschränkungen richten sich ausschließlich gegen das übergriffige Kind, während die Rechte und Bedürfnisse des betroffenen Kindes gewahrt bleiben. Diese Einschränkungen sind in der Regel zeitlich begrenzt, sie werden konsequent umgesetzt und regelmäßig überprüft.
Die Begriffe Opfer und Täter:invermeiden die Mitarbeitenden bewusst, da sie Kinder und Jugendliche stigmatisieren. Stattdessen setzen sie auf eine Sprache, die Entwicklung und Veränderung ermöglicht.
Fälle von sexuellen Übergriffen und die verhängten Maßnahmen bieten die Chance zur Prävention. Kinder lernen, dass ihr Verhalten nicht akzeptiert wird und sie mit Konsequenzen rechnen müssen. Sie lernen außerdem, dass es sich lohnt, Hilfe zu suchen.
9.3. Handlungsleitfaden bei sexualisierter Gewalt durch Erwachsene an Kindern und Jugendlichen
Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen umfasst jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind immer gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird, da das Kind aufgrund seiner körperlichen, psychischen, kognitiven und sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Täter:innen nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um die eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.
Täter:innen kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Der Großteil ist im engsten Familienumfeld (ca. 25%) und dem sozialen Nahraum und weiteren Familien- und Bekanntenkreis (ca. 50%) zu finden, wie Nachbarn oder Personen aus dem Sportverein. Es handelt sich also überwiegend um den Kindern und Jugendlichen bekannte Personen.
Sexuelle Gewalt durch Fremdtäter:innen ist eher die Ausnahme (25%). Kinder und Jugendliche, die physische oder psychische Gewalt erlebt haben, materiell oder emotional vernachlässigt wurden, starren Geschlechterstereotypen unterworfen sind oder kein altersentsprechendes Wissen über Sexualität (Sexualtabu) erhalten, haben ein erhöhtes Risiko Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden.
Ein wichtiger Präventionsfaktor ist das Wissen über mögliche Strategien von Täter:innen. Die Mitarbeitenden kennen diese und achten aufmerksam darauf.
Täter:innen nutzen oft die emotionale Bedürftigkeit dieser Kinder und Jugendlichen aus und schenken ihnen Aufmerksamkeit und Zuwendung. Sie schaffen so eine exklusive Beziehung. Sie versuchen, Kinder und Jugendliche durch Schweigegebote unter Druck zu setzen, oft verbunden mit der Drohung von Gewalt gegen sie oder ihre Angehörigen. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen trauen sich dann nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Täter:innen reden ihnen häufig ein, dass die sexualisierte Gewalt an ihnen ihr „kleines Geheimnis“ ist, das sie niemandem sagen dürfen. Sexualisierte Gewalt kann zu tiefgreifenden psychischen und körperlichen Folgen führen. Mögliche Anzeichen sind plötzliche Verhaltensänderungen, ein auffälliges Sexualverhalten, Depressionen, Essstörungen, Isolation, Klammern an eine Bezugsperson, selbstzerstörerisches Verhalten, Selbstmordgedanken oder Schwierigkeiten mit der Hygiene.
Wenn der Verdacht auf sexualisierte Gewalt durch Erwachsene an Kindern oder Jugendlichen besteht oder sexualisierte Gewalt stattgefunden hat, gehen die Mitarbeitenden nach folgendem Handlungsschema vor:
- Bei dem Verdacht auf sexualisierte Gewalt ist es zunächst wichtig, Ruhe zu bewahren und keine übereilten Aktionen zu tätigen wie die direkte Konfrontation mit dem oder der potenziellen Täter:in.
- Es werden alternative Erklärungsmodelle bedacht und alle Hinweise werden detailliert dokumentiert.
- Es ist wichtig eine Vertrauensbasis und Gesprächsangebote zu schaffen, so dass sich der oder die Betroffene öffnen kann. Sollte er oder sie sich öffnen, ist es wichtig im Gespräch ruhig zu bleiben und ihm oder ihr zu glauben. Er oder sie sollte positiv bestärkt und ihm oder ihr Orientierung gegeben werden. Durch möglichst offene Fragen wird ihm oder ihr Raum gegeben, die Erfahrung selbst in Worte zu fassen.
- Nach dem Gespräch wird der Gesprächsverlauf möglichst genau dokumentiert.
- Die pädagogische Leitung wird informiert.
- Eine insoweit erfahrene Fachkraft wird beratend hinzugezogen, das Jugendamt wird informiert und ggf. rechtliche Schritte werden eingeleitet.
10. Netzwerkarbeit als Bestandteil des sexualpädagogischen Konzepts
Durch eine gute Netzwerkarbeit können sexualpädagogische Konzepte effektiver und nachhaltiger umgesetzt werden, indem sie auf einer breiten Basis von Wissen und Ressourcen aufbauen und eine umfassende Unterstützung bieten. Netzwerkarbeit im Kontext eines sexualpädagogischen Konzepts bezieht sich auf die Zusammenarbeit verschiedener Akteure und Institutionen, um eine umfassende, kohärente und unterstützende Umgebung für die Sexualerziehung und -bildung zu schaffen. Durch die Integration externer Beratungsangebote in ein sexualpädagogisches Konzept können Kinder und Jugendliche optimal unterstützt und begleitet werden. Diese Angebote tragen dazu bei, eine gesunde und positive sexuelle Entwicklung zu fördern und unterstützen Kinder- und Jugendliche in ihrer individuellen Lebenssituation.
Hier sind einige Aspekte, wie diese Netzwerkarbeit gestaltet werden kann:
Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit…
- Bildungseinrichtungen: Schulen und Kindergärten als zentrale Orte für sexualpädagogische Programme.
- Gesundheitsdiensten: Ärzt:innen, Psycholog:innen, und Beratungsstellen, die medizinische und psychologische Unterstützung bieten.
- Sozialen Diensten: Jugendämter, Familienberatungsstellen, die soziale Unterstützung und Schutzmaßnahmen bieten.
- NGOs und Vereine: Organisationen, die sich auf Sexualaufklärung und -beratung spezialisiert haben.
- Hotlines und Online-Beratung: Bereitstellung von anonymen Telefonhotlines und Online-Beratungsdiensten, die Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihre Fragen und Sorgen vertraulich zu besprechen.
Austausch und Fortbildung für Fachkräfte durch…
- Regelmäßige Treffen: Plattformen für den Austausch von Erfahrungen und best practices.
- Weiterbildungen: Fortbildungsangebote für Fachkräfte, um aktuelle Entwicklungen und Methoden in der Sexualpädagogik kennenzulernen.
- Medienarbeit: Nutzung von Medien, Informationen und Materialien.
- Präventionsprogramme: Entwicklung und Durchführung von Präventionsprogrammen, die sexuelle Gewalt und Missbrauch verhindern sollen.
- Workshops zu consent und Grenzen: Aufklärungsarbeit zu den Themen Einverständnis, persönliche Grenzen und respektvolles Miteinander.
Austausch und Fortbildung für Adressat:innen durch…
- Informationsveranstaltungen: Aufklärung der Bezugspersonen über die sexualpädagogischen Konzepte und deren Bedeutung.
- Beratung und Unterstützung: Angebote für Bezugspersonen, um sie in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen.
- Unterstützungsnetzwerke: Stärkung der Unterstützungssysteme für Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen.
- Thematische Workshops: Angebote zu spezifischen Themen wie Verhütung, Geschlechtskrankheiten, Konsens, Beziehungen und sexualisierte Gewalt.
- Selbsthilfegruppen: Gruppen, in denen sich Bezugspersonen, Kinder und Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen austauschen und unterstützen können.
Einige Beispiele für externe Beratungsstellen:
- Pro Familia, Familienplanungszentrum BALANCE, Berliner Jungs e.V.: Bieten umfassende Beratungs- und Aufklärungsangebote rund um Sexualität, Verhütung und sexuelle Gesundheit.
- Jugend- und Familienberatungsstellen: Stellen oft ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten für Jugendliche und ihre Familien zur Verfügung.
- Strohhalm e.V., Kind im Zentrum (KIZ): Bieten umfassende Beratungs- und Fortbildungsangebote zur Prävention von sexualisierter Gewalt.
- Online-Portale wie “Dr. Sommer” von der Bravo: Bieten anonyme Beratung und umfangreiche Informationen zu jugendspezifischen Sexualitätsthemen.
11. Begriffserklärungen
Asexualität: Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der eine Person wenig oder gar kein Interesse an sexueller Anziehung oder Aktivität hat. Das bedeutet, dass asexuelle Menschen keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen empfinden, unabhängig von deren Geschlecht. Asexualität ist eine natürliche Variation der menschlichen Sexualität und kann genauso gültig und erfüllend sein wie jede andere Orientierung. Es ist wichtig zu beachten, dass Asexualität nicht dasselbe ist wie Abstinenz oder fehlendes sexuelles Verlangen aufgrund von körperlichen oder psychischen Problemen. Asexuelle Menschen können romantische Beziehungen eingehen und Liebe empfinden, jedoch ohne das Verlangen nach sexueller Intimität.
Bisexualität: Bisexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der eine Person sich zu verschiedenen Geschlechtern hingezogen fühlt. Anders als bei heterosexuellen oder homosexuellen Menschen, die sich ausschließlich zu einem bestimmten Geschlecht hingezogen fühlen, fühlen sich bisexuelle Menschen zu Menschen verschiedener Geschlechteridentitäten, sei es männlich, weiblich, nicht-binär oder eine andere Identität, hingezogen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Bisexualität eine breite Palette von Erfahrungen umfasst und von Person zu Person unterschiedlich sein kann.
Heterosexualität: Heterosexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der eine Person romantische und sexuelle Anziehung ausschließlich oder hauptsächlich zum anderen Geschlecht empfindet. Das bedeutet, dass heterosexuelle Menschen sich in der Regel zu Personen des gegengeschlechtlichen Geschlechts hingezogen fühlen. Sie können romantische Beziehungen eingehen und Liebe empfinden zu Partner:innen des anderen Geschlechts.
Homosexualität: Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der eine Person romantische und sexuelle Anziehung ausschließlich oder hauptsächlich zu Personen des gleichen Geschlechts empfindet. Homosexuelle Menschen fühlen sich zu Personen ihres eigenen Geschlechts hingezogen und können romantische Beziehungen eingehen, Liebesgefühle empfinden und eine Partnerschaft mit jemandem desselben Geschlechts eingehen.
Intersektionalität: Intersektionalität bezieht sich auf die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen sozialen Identitäten und Systemen der Unterdrückung, Diskriminierung und Privilegien. Der Begriff wurde geprägt, um die komplexen und ineinander verwobenen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung zu beschreiben, die Personen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen sozialen Gruppen erfahren können, wie Geschlecht, race, Klasse, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, Behinderung und weitere Merkmale.
Intersexualität: Intersexualität bezieht sich auf Variationen der körperlichen Merkmale, Chromosome oder Hormone, die von den traditionellen binären Konzepten von männlich und weiblich abweichen. Intersexuelle Menschen können zum Beispiel sowohl männliche als auch weibliche anatomische Merkmale aufweisen oder Chromosomenkombinationen haben, die nicht XY (männlich) oder XX (weiblich) entsprechen.
Nichtbinär: Nicht-binäre Menschen identifizieren sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich, sondern außerhalb dieses binären Geschlechtssystems. Sie können sich zum Beispiel als weder männlich noch weiblich identifizieren (geschlechtsneutral), als eine Mischung aus männlich und weiblich (geschlechtsfluid), oder mit einem anderen Geschlecht jenseits der traditionellen Kategorien.
Pansexualität: Pansexualität ist eine sexuelle Orientierung, bei der sich eine Person von Menschen unabhängig von deren Geschlecht oder Geschlechtsidentität angezogen fühlen kann. Anders als bei bisexuellen Menschen, die sich oft zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen, bedeutet Pansexualität, dass das Geschlecht für die Anziehungskraft keine Rolle spielt. Eine pansexuelle Person kann sich zu Menschen aller Geschlechteridentitäten, sei es männlich, weiblich, nicht-binär oder eine andere Identität, hingezogen fühlen. Menschen die sich als pansexuell definieren, verlieben sich in Menschen unabhängig von deren Geschlecht.
Queer: Im Zusammenhang mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt bezieht sich Queer auf ein umfassendes Verständnis von Identitäten, das sowohl sexuelle Orientierung als auch Geschlechtsidentität umfasst und darüber hinausgeht. Es ist ein Begriff, der dazu dient, die Komplexität und Vielfalt menschlicher Erfahrungen und Identitäten zu erfassen, die sich nicht einfach in binäre Kategorien von männlich/weiblich oder heterosexuell/homosexuell einordnen lassen.
Transsexualität: Transsexualität bezeichnet den Zustand, wenn die bei der Geburt zugewiesene Geschlechtsidentität nicht mit dem empfundenen oder erlebten Geschlecht übereinstimmt.
LGBTQ+ ist eine Abkürzung für Lesbisch, Schwul (Gay), Bisexuell, Transgender und Queer. Das Pluszeichen (+) steht für weitere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, zum Beispiel intergeschlechtlich, asexuell oder pansexuell.
Der Begriff dient als Bezeichnung für vielfältige Identitäten und Lebensweisen, die nicht in binäre oder gesellschaftlich dominante Kategorien von Geschlecht und Sexualität passen.